NOOR INAYAT KHAN

Noor-un-Nisa – ihr Name bedeutet „Licht der Frauen“ - wird am Neujahrstag 1914 als erstes Kind von Hazrat Inayat Khan und seiner Frau Amina Begum, geb. Ora Ray Baker, in Moskau geboren. Ihr Titel ist Pirzadi, Tochter des Pir. Die Familie flieht aufgrund der russischen Revolution außer Landes und findet schließlich 1922 in einem Vorort von Paris ein Zuhause.

Nach dem Tod ihres Vaters übernimmt Noor-un-Nisa im Alter von 13 Jahren, als ältestes Kind, die Verantwortung für ihre jüngeren  Geschwister Vilayat Inayat, Hidayat Inayat und Claire. Nach ihrem Schulabschluss studiert sie klassische Musik an der École Normale de Músique de Paris (Harfe und Klavier) und Kinderpsychologie an der Sorbonne. 1939 erscheinen in London die „Twenty Jataka Tales“ von Noor Inayat Khan. Es sind poetische Nacherzählungen berühmter Legenden zu früheren Inkarnationen des Buddha.
Im zweiten Weltkrieg engagiert sich Noor-un-Nisa freiwillig als hochspezialisierte Funkerin und Vilayat Inayat als Offizier auf einem Minenräumboot. 1942 tritt Noor-un-Nisa in Churchills Eliteeinheit Special Operations Executive (SOE) ein und unterstützt die Résistance in Frankreich. Über den Geheimdienst SOE kehrt sie im Juni 1943 als Funkerin unter dem Decknamen Madeleine nach Paris zurück. Als es sehr gefährlich wird und man sie nach London zurückholen möchte, besteht sie darauf, in Frankreich zu bleiben – als letzte Verbindung zwischen Frankreich und den Alliierten.
Sie wird verraten und von der Gestapo gefasst, gefoltert, muss hungern, wird geschlagen – fast ein Jahr lang und wird schließlich im KZ Dachau am 13. September 1944 ermordet. Ihre letzten Worte waren Liberté, bevor sie im Alter von 30 Jahren sterben musste. Am 16. Januar 1946 verliehen die Franzosen Noor-un-Nisa den Croix de Guerre, die höchste zivile Auszeichnung. Drei Jahre später, 1949, verlieh England ihr das George Cross.
Mehr als fünfundsechzig Jahre nach dem Krieg muss Noors Geschichte für eine neue Generation aufbewahrt werden, die über die Opfer für die Freiheit Bescheid wissen muss. Noors letztes Wort, "Liberté", wurde in ein Denkmal am Gordon Square eingraviert, um die Welt daran zu erinnern, dass eine schöne junge Frau ohne zu zögern ihr Leben geopfert hat, damit die Welt frei von Faschismus sein kann.
Am 5. Februar 2018 wurde Hazrat Pirzadi-Shahida Noor-un-Nisa Inayat Khan von Pir Zia Inayat-Khan in die Einweihungslinie (Silsila) des Inayati-Orden aufgenommen. In der feierlichen Erklärung heißt es: „In Anbetracht der Aussage von Hazrat Inayat Khan: 'Ich sehe es so klar wie Tageslicht, dass die Zeit kommen wird, da die Frauen die Menschheit auf eine höhere Entwicklungsstufe führen werden' und in Anbetracht der Tatsache, dass Pirzadi Noor-un-Nisa als hingebungsvolle Murid ihres Vaters und Überbringerin der Tradition sich als Sufi-Autorin, Musikerin und Kriegsheldin, die als Märtyrerin im Zweiten Weltkrieg starb, ausgezeichnet hat (...) wird hiermit bekanntgegeben, dass vom heutigen Tage an der Name Hazrat Pirzadi-Shahida Noor-un-Nisa Inayat Khan in die Silsila des Inayati-Ordens aufgenommen (...) wird."

Die INAYATIYYA ÖSTERREICH hieß früher INTERNATIONALER SUFIORDEN ÖSTERREICH